Abgeltungssteuer – das musst du als Privatanleger unbedingt wissen!

Die Abgeltungssteuer. Ein leidiges Thema, mit dem sich leider jeder Privatanleger früher oder später auseinandersetzen muss. Schließlich wusste bereits der amerikanische Gründervater, Benjamin Franklin: "Nur zwei Dinge im Leben sind sicher: der Tod und die Steuer."

Im Jahr 2009 wurde die Abgeltungssteuer in Deutschland eingeführt und löste die Kapitalertragssteuer in ihrer bisherigen Form ab (mehr zu den Unterschieden und Neuerungen gibt es später). Seitdem werden Kapitalerträge pauschal mit 25% versteuert. Zuzüglich Soli und Kirchensteuer.  

Gut ein Viertel aller Einnahmen aus Aktiengewinnen, Dividenden, Zinsen etc. verpufft also. Und das sogar automatisch. Denn die Abgeltungssteuer wird, sobald die Gutschrift erfolgt, vom Kreditinstitut einbehalten und abgeführt (es gibt auch einige Ausnahmen. Darauf komme ich später zurück).

Kaum noch eine Chance für Steuerhinterzieher...  

Genau das war im Übrigen auch die Intension von Peer Steinbrück, der die Abgeltungssteuer im Jahr 2009 einführt.

Da das Thema Steuern bei vielen Privatanlegern tiefe Seufzer hervorruft, möchte ich hier ein bisschen Licht ins Dunkle bringen.

Außerdem warten am Ende dieses Beitrags einige Tipps zur Abgeltungssteuer auf dich, die deine Steuerlast unter Umständen verringern können.

Hinweis: Dieser Beitrag soll dich lediglich über die Abgeltungssteuer informieren und ersetzt keineswegs eine fachliche Beratung durch einen Steuerberater.

Definition: Abgeltungssteuer  

Wie bereits erwähnt, wurde die Abgeltungssteuer im Jahr 2009 vom damaligen Finanzminister Peer Steinbrück eingeführt. Die Steuerlast bei Kapitalerträgen wird seitdem pauschal mit 25% verrechnet.

Zusätzlich fallen 5,5% Solidaritätszuschlag und 8/9% Kirchensteuer an, wobei die gesamte Steuerlast 28% nicht überschreiten darf.

Bei der Abgeltungssteuer handelt es sich um eine sogenannte Quellensteuer. Also eine Ertragssteuer auf Einkünfte, die direkt an der Quelle (in diesem Fall das Kreditinstitut) ihrer Auszahlung einbehalten wird.

Ein weiteres Beispiel für eine solche Quellensteuer ist die Lohnsteuer.

Die Abgeltungssteuer ist bei folgenden Anlageinstrumenten zu zahlen:

  1. Aktien – Dividenden und Kursgewinne (hier geht's zum Dividendenkalender)
  2. Anleihen – Zinsen und Kursgewinne
  3. Bankeinlagen – Zinserträge
  4. Fonds und ETFs – Kursgewinne und Fondserträge (Achtung: Seit 01.01.2018 gilt hier das Investmentsteuergesetz. Nähre Infos findest du hier)
Abgeltungssteuer Infografik

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Änderungen im Vergleich zur Kapitalertragssteuer

Bis zum 01.01.2009 galt für Kapitalanlagen die Abgeltungssteuer. Diese sah einen Steuersatz zwischen 20% bis 35% vor. Genauer: Auf Dividendenerträge waren 20% zu entrichten, Zinsen aus Kapitalanlagen wurden mit 30% besteuert.

Der wesentliche Unterschied zur heutigen Abgeltungssteuer lag in der Steuerfreiheit nach einer bestimmten Haltedauer. So waren Gewinne aus Aktien nach einer Haltedauer über einem Jahr von der Steuer befreit. Anleger mit einem langfristigen Anlagehorizont (>1 Jahr) mussten als keine Steuern auf Kurgewinne bezahlen.

Außerdem konnten Anleger bis 2009 entscheiden, ob die Kapitalertragssteuer mit der Einkommenssteuer verrechnet werden soll, um von einer möglichen Steuerersparnis profitieren zu können. Diese Möglichkeit besteht mit der Abgeltungssteuer nur noch bedingt (später mehr).

Gerade Privatanleger mit geringerem Einkommen und kleinerem Anlagevolumen haben durch die  Abgeltungssteuer also unter Umständen eine höhere Steuerlast zu tragen.

Seit Einführung der Abgeltungssteuer ist eine Abgabe der Anlage KAP im Rahmen der Steuererklärung überflüssig, wenn auf alle Einkünfte bereits die Abgeltungssteuer erhoben wurde. In einigen Sonderfällen ist diese jedoch nach wie vor auszufüllen. Manchmal kann es sogar Sinn machen. Dazu mehr unter „Tipps“    


Wie funktioniert die Abgeltungssteuer

Wie sieht nun die tatsächliche Funktionsweise der Abgeltungssteuer aus?

Ganz einfach...

Da es sich, wie bereits erwähnt, um eine Quellensteuer handelt, muss der Privatanleger zunächst nicht tätig werden.

Die Abgeltungssteuer wird bei Ertragsgutschriften automatisch von der Bank einbehalten und an das Finanzamt überwiesen. Der Anleger wiederum erhält eine jährliche Übersicht aller Kapitalerträge.

Der tatsächliche Ablauf der Steuererhebung wurde demnach mit Einführung der Abgeltungssteuer erheblich vereinfacht, was durchaus positiv anzumerken ist.     


Sparerpauschbetrag unbedingt ausnutzen

Die Abgeltungssteuer kann durch den sogenannten Sparerpauschbetrag (früher Sparerfreibetrag) reduziert werden. Dieser beträgt bei Singles 801 Euro, bei Ehepaaren 1602 Euro.

Bedeutet: Kapitalerträge bis 801 Euro bzw. 1602 Euro sind steuerfrei und es wird keine Abgeltungssteuer erhoben.

Wichtig: Dieser Sparerpauschbetrag muss im Rahmen eines sogenannten Freistellungsauftrags bei der Bank beantragt werden. Das hört sich im ersten Moment komplizierter an, als es tatsächlich ist. In der Regel muss der gewünschte Betrag lediglich im Online-Banking eingegebene werden, dass er von der Bank zukünftig berücksichtigt werden kann.

Es ist auch möglich, den Sparerpauschbetrag auf mehrere Banken zu verteilen. Also beispielsweise 501 Euro bei Bank A, 200 Euro bei Bank B und 100 Euro bei Bank C. Dies kann dann Sinn machen, wenn du Depots, Festgeldkonten oder Bausparverträge bei verschiedenen Banken besitzt.  


Beispielrechnungen 

Um dir ein Gefühl zu vermitteln, wie die Berechnung der Abgeltungssteuer tatsächlich abläuft, möchte ich einige Beispielberechnungen anhand verschiedener Szenarien durchführen.

Doch zuvor einige theoretische Berechnungsgrundlagen...

1. Solidaritätszuschlag

Zusätzlich zur Abgeltungssteuer fällt auch der Solidaritätszuschlag in Höhe von 5,5% an. Dieser wird jedoch nicht auf die gesamten Kapitalerträge, sondern lediglich auf den 25%-Anteil der Abgeltungssteuer erhoben. Also ergibt sich folgende Rechnung:

(Abgeltungssteuer x Soli) + Abgeltungssteuer

(0,25 x 5,5) + 25% = 26,375%


2. Kirchensteuer

Wer Kirchensteuerpflichtig ist, muss zusätzlich zu Soli und Abgeltungssteuer auch Kirchensteuer auf Kapitalerträge entrichten.

Die gute Nachricht: Seit 2015 geschieht dies automatisch durch die Bank und der Anleger muss sich auch hier um nichts mehr kümmern.

Die schlechte Nachricht: Die Berechnung ist kompliziert und erfolgt in zwei Schritten. Die Abgeltungssteuer wird nämlich um die anfallende Kirchensteuer anteilig ermäßigt.

Außerdem ist der Kirchensteuersatz des betreffenden Bundeslandes zu beachten. Dieser liegt in Bayern und Ba-Wü bei 8%, in den restlichen Bundesländern bei 9%.

Die Berechnung sieht also wie folgt aus...

Abgeltungssteuer = Kapitalerträge : (4 + Hundertstel des Kirchensteuersatzes)

Kirchensteuer = Kapitalertragssteuer x Kirchensteuersatz

 

Beispiel Bayern:

Abgeltungssteuer: 100% : (4+0,8) = 24,51%

Kirchensteuer auf Abgeltungssteuer: 1,96%


Kompliziert?

Definitiv!

Da dieser Abzug jedoch automatisch durch die Bank erfolgt, musst du dich nicht weiter darum kümmern.

Um das Ganze nun etwas anschaulicher darzustellen, hier eine Beispielberechnung...

Abgeltungssteuer bei Aktienverkauf
Abgeltungssteuer bei Dividende
Abgeltungssteuer bei Zinszahlung



Spartipps für Privatanleger

Tipp 1: Abgabe der Anlage KAP prüfen

In Ausnahmefällen ist die Abgabe der Anlage KAP im Rahmen der Steuererklärung verpflichtend. Und zwar immer dann, wenn auf Kapitalerträge, die der Abgeltungssteuer unterliegen, kein automatischer Abzug erfolgen kann:

  1. Auslandskonten
  2. Verkauf von Lebensversicherungen
  3. Zinsen aus Darlehn an Privatpersonen

Auch in anderen Fällen kann es jedoch durchaus Sinn machen, die Anlage KAP trotz bereits erfolgtem Abgeltungssteuerabzug beim Finanzamt einzureichen:

  1. Der persönliche Steuersatz ist niedriger als die Abgeltungssteuer inkl. Soli (26,375%). Hier kann die sogenannte „Günstigerprüfung“ erfolgen (Kapitalerträge + Jahreseinkommen wird zusammengelegt, sofern dies für den Anleger günstiger ist als die Abgeltungssteuer).
  2. Die Freistellungsauträge wurden versehentlich falsch verteilt
  3. Ausländische Quellensteuern wurde nicht korrekt verrechnet.


Tipp 2: Freibeträge auf jeden Fall optimal ausnutzen

Überprüfe auf jeden Fall einmal pro Jahr, ob deine Sparerpauschbeträge korrekt verteilt wurden und mit den erwarteten Kapitalerträgen im Einklang stehen.

Es macht keinen Sinn, bei Bank A einen Freibetrag von 500 Euro zu hinterlegen und bei Bank B einen Freibetrag von 301 Euro, wenn sich die Kapitalerträge bei Bank A auf 600 Euro belaufen, bei Bank B jedoch nur auf 100 Euro.

Achtung: Wenn du bereits Kinder hast, kannst du deren Sparerpauschbetrag ebenfalls nutzen, beispielsweise im Rahmen einer Geldanlage für die zukünftige Ausbildung deines Kindes.


Tipp 3: Verlustrechnung

Hast du Verluste in einem Jahr erlitten, kannst du diese mit Gewinnen gegenrechnen. Dies kann jedoch nur innerhalb der gleichen Anlageklasse erfolgen. Verluste aus Aktienverkäufen können also nicht mit Zinseinnahmen aus Tagesgeldkonten verrechnet werden.

Verluste werden über eine sogenannte Verlustrechnung mitgeteilt.


Wichtig: Aktuelles zur Abgeltungssteuer

Aktuell wird heiß über die Abschaffung der Abgeltungssteuer diskutiert. Dies scheint ein zentraler Punkt nach der Bundestagswahl 2017 und der damit verbundenen Regierungsbildung zu sein. Die Abschaffung zumindest bei Zinserträgen scheint momentan sehr realistisch.  

Halte dich diesbezüglich auf jeden Fall auf dem Laufenden, um keine Gesetzesänderung zu verpassen. 

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