Was ist die Eigenkapitalrentabilität / Eigenkapitalrendite?

Eigenkapitalrentabilität Definition

Die Eigenkapitalrentabilität, auch Eigenkapitalrendite oder ROE (return on equity) genannt, ist eine wichtige Kennzahl, um die Ertragskraft eines Unternehmens zu messen. Einfach ausgedrückt gibt die Eigenkapitalrentabilität Aufschluss über die Verzinsung des eingesetzten Eigenkapitals (Gesamtkapital - Fremdkapital) in einem Unternehmen. 

Je höher die Eigenkapitalrendite ist, desto besser. Doch Vorsicht: Diese Kennzahl kann sehr leicht manipuliert werden. Dazu später mehr...

Eigenkapitalrentabilität Infohrafik

Die Eigenkapitalrendite ist eine von drei wichtigen Rentabilitätskennzahlen.

Mithilfe dieser drei Rentabilitätskennzahlen (Eigenkapitalrendite, Gesamtkapitalrentabilität, Umsatzrendite) kann schnell erkannt werden, wie ein Unternehmen mit dem zur Verfügung stehenden Kapital wirtschaftet.

Außerdem ermöglichen diese Kennzahlen einen schnellen Vergleich zwischen mehreren Unternehmen einer Branche.


Eigenkapitalrentabilität Berechnung

Die Eigenkapitalrentabilität wird berechnet, indem der Gewinn (Jahresüberschuss nach Steuern, EPS) durch das verfügbare Eigenkapital geteilt wird.

Eigenkapitalrentabilität Berechnung

Ein Beispiel: Ein Unternehmen erwirtschaftet einen Gewinn von 5 Millionen Euro und besitzt ein Eigenkapital von 100 Millionen Euro. Demnach ergibt sich die Rechnung 5 Millionen Euro / 100 Millionen Euro * 100 = 5%. Das im Unternehmen eingesetzte Eigenkapital wird also aktuell mit 5% verzinst.

Eigenkapitalrendite Achtung

Achtung: Gerade Börsenanfänger unterliegen bei der Berechnung der Eigenkapitalrendite immer wieder einem Trugschluss: Der Wertzuwachs der Aktien dieses fiktiven Unternehmens beträgt selbstverständlich nicht 5% pro Jahr. Die Wertentwicklung der Aktien ist vielmehr abhängig von Angebot und Nachfrage an der Börse. 

Die Eigenkapitalrendite gibt also nicht die zu erwartende Rendite an, sondern zeigt lediglich, wie gut mit dem zur Verfügung stehenden Eigenkapital gewirtschaftet wird.

Eigenkapitalrentabilität Interpretation

Bei der Eigenkapitalrentabilität gilt: Je größer, desto besser. Allerdings ist bei extremen Werten nach oben oder unten Vorsicht geboten.

Eine sehr niedrige Eigenkapitalrendite könnte durch mehrere Faktoren verursacht werden, beispielsweise zu viel gebundenes Kapital in Rohstoffe, Grundstücke oder Gebäude, die einem Unternehmen faktisch nicht weiterhelfen.

Die Eigenkapitalrentabilität wird zudem automatisch beeinfluss durch die Eigenkapitalquote. Unternehmen, die sehr solide wirtschaften und viel Eigenkapital besitzen, werden hier keine hohen Werte erzielen können. Die Kombination hohe Eigenkapitalquote in Verbindung mit niedriger Eigenkapitalrentabilität ist also nicht zwingend ein schlechtes Zeichen.

Eine sehr hohe Eigenkapitalrentabilität hingegen könnte möglicherweise durch den sogenannten Leverage-Effekt (hohe Schulden) verursacht werden. Ein hoher Verschuldungsgrad ist nicht unbedingt ein gutes Zeichen und sollte mir Vorsicht genossen werden. Hohe Schulden bedeuten immer viele Gläubiger und somit viel Mitspracherecht durch Dritte.

Was ist nun eine gute Eigenkapitalrendite?

Als Anhalt kann die von Susan Levermann (ehemalige Fondsmanagerin) festgelegte Interpretation zur Beantwortung dieser Frage herangezogen werden: Die Eigenkapitalrentabilität sollte über 10% liegen. Durchschnittliche Werte befinden sich zwischen 10%-20%. Die Top-Performer erreichen Werte über 20%, sind jedoch sehr selten. 

Wichtige Regeln bei der Interpretation der Eigenkapitalrendite

  • check
    Immer mit anderen Unternehmen vergleichen, niemals isoliert betrachten!
  • check
    Da die Eigenkapitalrentabilität stark branchenabhängig ist, niemals Unternehmen anderer Branchen miteinander vergleichen!
  • check
    Die letzten 5-10 Jahre im Blick behalten und einen Durchschnitt errechnen!
  • check
    Eine stetig steigende Eigenkapitalrendite deutet auf ein fähiges Management hin
  • check
    Achte bei der Prüfung der Eigenkapitalrendite unbedingt auch auf die Eigenkapitalquote. Ist diese sehr hoch, muss eine niedrige Eigenkapitalrentabilität kein schlechtes Zeichen sein.
Vorsicht: Leverage Effekt

Der größte Nachteil der Eigenkapitalrendite als Bewertungskennzahl ist ohne Zweifel die Tatsache, dass diese relativ leicht verfälscht werden kann. Und zwar durch die Aufnahme von Fremdkapital. 

Logisch, denn durch die Aufnahme von Fremdkapital sink automatisch der Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital. Dies führt zwangsläufig zu einer steigenden Eigenkapitalrentabilität. Man spricht hier vom sogenannten Leverage Effekt, also einer Hebelwirkung.

Leverage Effekt Beispiel

Einfach ausgedrückt: Je höher der Verschuldungsgrad, desto stärker wirkt der Leverage Effekt und desto mehr steigt die Eigenkapitalrendite. Dies beruht jedoch nicht auf "gesunden Faktoren", sondern lediglich auf wachsenden Schulden.

Eigenkapitalquote Leverage

Die Eigenkapitalrentabilität sollte also niemals als einzelne Kennzahl betrachtet werden, denn ihre Aussagekraft ist durch ihre Manipulierbarkeit sehr begrenzt. Ziehe bei einer Untersuchung der Eigenkapitalrendite immer auch die Gesamtkapitalrendite und die Eigenkapitalquote hinzu! Drei Beispiele für solche "nicht gesunden Fälle" findest du in diesem Artikel.