Was ist das KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis)?

Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) - Definition

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis, kurz KGV, ist eine sehr beliebte Aktienkennzahl. Sie setzt den Gewinn eines Unternehmens in das Verhältnis zum aktuellen Kurs einer Aktie. Dadurch soll auf einen Blick vermittelt werden, ob eine Aktiengesellschaft aktuell als günstig (unterbewertet) oder teuer (überbewertet) gilt.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis drückt aus, mit dem wie vielfachen Wert seines Gewinns ein Unternehmen aktuell an der Börse gehandelt wird. 

Ein Beispiel: Ein KGV von 10 würde implizieren, dass ein Unternehmen mit dem 10-fachen seines Jahresgewinns an der Börse bewertet ist. Es würde also theoretisch 10 Jahre dauern, bis eine Investition in dieses Unternehmen in Form einer Aktie durch Gewinne erwirtschaftet wurde. Hier wird jedoch die Annahme verfolgt, dass der Unternehmensgewinn über den gesamten Zeitraum identisch bleibt, was in der reellen Wirtschaft selbstverständlich nicht der Fall ist.

Noch plastischer ausgedrückt: Wenn 1 Euro in eine Aktie mit einem KGV von 10 investiert wird, würde es 10 Jahre dauern, bis dieser 1 Euro durch Unternehmensgewinne erwirtschaftet werden würde - wie gesagt, vorausgesetzt der Gewinn würde stetig gleich bleiben.    


Wie wird das KGV von Aktien berechnet? 

Die Berechnung des KGV ist simpel und kann auch in Eigenregie problemlos durchgeführt werden. Der aktuelle Aktienkurs wird dividiert durch den aktuellen Gewinn pro Aktie oder die Einschätzung des zukünftigen Gewinns durch Analysten (wie der Gewinn pro Aktie berechnet wird, erfährst du unter dem Eintrag EPS).

Eine weitere Möglichkeit, um das KGV zu berechnen: Man teilt die Marktkapitalisierung durch den Jahresgewinn. Das Ergebnis ist bei beiden Berechnungen dasselbe. 

KGV Kurs Gewinn Verhältnis

Ein Beispiel: Der aktuelle Kurs des Unternehmens liegt bei 100 Euro, der Gewinn pro Aktie liegt bei 5 Euro. Um nun das KGV zu erhalten, muss folgende Berechnung vorgenommen werden: 100 Euro / 5 Euro = 20. Das KGV dieser Aktie beträgt also 20.​​​​


Wie ist das KGV zu interpretieren?

Da das KGV auf eine Über- bzw. Unterbewertung hinweisen soll, gilt: Je niedriger das KGV, desto besser.

Es gibt keine eindeutige Definition von guten und schlechten Werten. Als Anhalt kann jedoch beispielsweise das durchschnittliche KGV der letzten Jahrzehnte dienen, das ungefähr bei 25 liegt. 

Besonders interessant wird das KGV zum Jahreswechsel, wenn Unternehmen ihre Bilanzen zum vergangenen Geschäftsjahr vorlegen und der Wert "Gewinn pro Aktie" für das letzten Jahres bekannt wird. 


Das KGV in der Praxis...

Viele Privatanleger machen den Fehler, sich beim Kauf von Aktien ausschließlich auf das KGV zu verlassen. Das ist ein fataler Fehler, denn die Aktienanalyse ist weitaus komplexer als lediglich eine Kennzahl zu bewerten.

Auch wenn sich das KGV gut dafür eignen kann, Unternehmen der gleichen Branche (!) miteinander zu vergleichen, sollte niemals der Fehler gemacht werden, Kaufentscheidungen lediglich auf ein niedriges KGV zu stützen. Diese Aktienkennzahl sendet nämlich viele Fehler...

Typische Fehler des KGV bei Aktien

  • Bei jungen Wachstumsunternehmen ist das KGV in der Regel deutlich zu hoch, da noch wenig Gewinn erwirtschaftet wird.
  • Bei zyklischen Unternehmen greift das KGV häufig viel zu niedrig.
  • Analysteneinschätzungen bzgl. der zukünftigen Gewinne und somit des zukünftigen KGV sind falsch.

Wer also mit dem KGV als Bewertungskennzahl arbeiten möchte, sollte niemals den Fehler machen, nur das aktuelle KGV zu untersuchen. Vielmehr sollten die durchschnittlichen KGV der letzten Jahre analysiert werden.