Was ist der Leverage Effekt?

Leverage Effekt - Definition & Erklärung

Der Leverage Effekt (auch Leverage Ratio, Hebelwirkungseffekt) ist bei der Bewertung der Kapitalstruktur eines Unternehmens von erheblicher Bedeutung. Insbesondere bei der Berechnung der Eigenkapitalrentabilität sollte unbedingt auf den Leverage Effekt geachtet werden. Er beschreibt die Hebelwirkung, die durch fremdfinanziertes Kapital bei der Eigenkapitalrentabilität erreicht werden kann. 

Einfach ausgedrückt: Durch die Aufnahme von Schulden sinkt das Eigenkapital in einem Unternehmen. Dadurch erhöht sich jedoch die Eigenkapitalrentabilität, denn das im Unternehmen arbeitende Eigenkapital sinkt. Je mehr Fremdkapital aufgenommen wird, desto größer wird der Leverage Effekt. 

Leverage Effekt

Wichtig: Der Zinssatz des Fremdkapitals muss unter der Gesamtkapitalrendite des Unternehmens liegen, dass der Leverage Effekt funktioniert (dazu später mehr). Ist dies der Fall, könnte er bei immer weiter sinkenden Fremdkapitalzinsen immer weiter gesteigert werden. 

Gerne wird der Begriff Leverage Effekt auch bei Privatanlegern verwendet, die Aktien kaufen unter Zuhilfenahme von Fremdkapital. Hier gelten selbstverständlich die identischen Gesetzmäßigkeiten wie auch bei einem Unternehmen.

Leverage Effekt - Herleitung und plastische Erklärung

Eigentlich paradox, aber ein probates Mittel von Unternehmen, um die Eigenkapitalrendite zu steigern: Sind die Kosten von Fremdkapital niedriger als die Gesamtkapitalrentabilität eines Unternehmens, wird gerne zusätzliches Fremdkapital aufgenommen, um die Rentabilität noch weiter zu steigern.

Ein Beispiel...

Ein Unternehmen besitzt ein Vermögen von 2 Mio. Euro, unterteilt in 1,2 Mio. Euro Eigenkapital und 800.000 Euro Fremdkapital. Die Eigenkapitalquote liegt also bei 66,67%. 

Das Unternehmen erzielte im letzten Geschäftsjahr einen Gewinn von 150.000 Euro. Somit beläuft sich die Eigenkapitalrendite auf 12,5% (150.000€ : 1,2 Mio. € *100).

Was passiert jetzt, wenn nun die Eigentumsverhältnisse verschoben werden? Angenommen, das Unternehmen würde 500.000 Euro Eigenkapital und 1,5 Mio. Fremdkapital besitzen. Demnach müsste ein Kredit von 700.000 Euro aufgenommen werden. Würde dieser zu einem Zinssatz von 5% finanziert, würde der Gewinn auf 115.000 Euro (150.000€ - 35.000€) sinken.

Die Eigenkapitalrendite würde jedoch auf 23% steigen (135.000€ : 500.000€ *100).

Die Rentabilität des eingesetzten Eigenkapitals hat sich also nahezu verdoppelt, obwohl die Eigenkapitalquote deutlich gesunken ist und im zweiten Beispiel lediglich 33% beträgt (im Vgl. zu den vorherigen 66,67% ein niedriger Wert)

Leverage Effekt Achtung

Bei der Interpretation der Eigenkapitalrendite ist der Blick auf den Gewinn, Verschuldungsgrad und die Eigenkapitalquote unerlässlich. 

Ist der Gewinn eines Unternehmens sehr hoch und eine hohe Eigenkapitalrendite entsteht aus diesem Grund, perfekt!

Ist der Gewinn jedoch niedrig und eine hohe Eigenkapitalrendite einem hohen Verschuldungsgrad und einer niedrigen Eigenkapitalquote geschuldet, lautet die Devise: Finger weg!

Diesem Thema widmet sich ein tolles PDF der Hochschule Magdeburg

Achtung: Negativer Leverage Effekt oder Leverage Risiko

Nicht immer erzielt der Leverage Effekt eine positive Wirkung auf die Eigenkapitalrendite. Sind die Kosten für die Fremdfinanzierung des Kapitals höhere als die Gesamtkapitalrendite eines Unternehmens, erwirtschaftet das Unternehmen einen niedrigeren Gewinn. 

Eigentlich logisch, denn wenn sich die Kosten für einen fremdfinanzierten Betrag i.H.v. 100.000 Euro auf 110.000 Euro belaufen, ist das Ergebnis negativ.

Folglich muss mehr Eigenkapital genutzt werden, um das gewünschte Finanzergebnis zu erzielen und die Eigenkapitalrendite sinkt.