Depotwechsel – das musst du unbedingt beim Depotübertrag beachten...

Ein Depotwechsel kann in verschiedenen Fällen sehr lukrativ sein.

Die Idee dahinter: Viele Broker zahlen dir als Anleger hohe Depotwechsel Prämien, wenn du mit deinem Wertpapierdepot umziehst. Diese „Lockangebote“ können Bargeld-Prämien, Sachgeschenke oder hohe Zinssätze auf ein Tagesgeldkonto sein.

Auch lukrativere Preismodelle oder zusätzliche Inklusivleistungen können eine Grund für den Depotwechsel sein.

Der Depotübertrag selbst gestaltet sich nicht besonders schwierig und ist schon mit wenigen Mausklicks erledigt.

Doch in manchen Fällen ist auch Vorsicht geboten, denn trotz Depotwechsel Prämien lohnt sich ein Umzug nicht immer.

Was du beim Depotwechsel unbedingt beachten solltest, wann ein Depotübertrag Sinn macht und welche Fallstricke lauern, erfährst du in diesem Beitrag.

Wann macht ein Depotwechsel Sinn?  

Die Eröffnung eines Depots ist keine Liaison auf Lebenszeit.

Gibt es also Kritikpunkte bei deinem aktuellen Broker, macht es keinen Sinn sich grün und blau zu ärgern. Ein Depotwechsel ist oftmals die beste Lösung.

Dabei könnten die Gründe, die für einen solchen Depotwechsel sprechen, vielfältig sein. Neben einer grundsätzlichen Unzufriedenheit sind es auch strukturelle Veränderungen am Aktienmarkt, die neue Anbieter attraktiv machen.

Bessere Kostenmodelle, Rabatte auf ETF- oder Aktiensparpläne oder ein größeres Angebot im außerbörslichen Handel sprechen häufig für einen Depotübertrag zu einem anderen Broker.

Hinzukommen die attraktiven Depotwechsel Prämien, die von den Brokern bei einem Übertrag ausgelobt werden.

Wann macht ein Depotwechsel also tatsächlich Sinn?

Die 5 wichtigsten Punkte hier im Überblick:

1. Leistungsangebot

Moderne Broker sind weitaus mehr als nur Vermittler bei Aktienkäufen und -verkäufen. Vielmehr stellen diese ihren Kunden heute ein „Börsen-Komplettangebot“ zur Verfügung: Charttools, Aktienanalyse, Bilanzanalysen oder eine starke Online-Community machen einen guten Broker aus.

Wenn du feststellst, dass ein anderer Broker ein deutlich besseres Leistungsspektrum anbietet, kann ein Depotwechsel durchaus Sinn machen, um von diesen Leistungen zu profitieren.

2. Kosten

Die Stiftung Warentest konnte im Rahmen einer umfangreichen Studie belegen, dass die Preisunterschiede zwischen den einzelnen Brokern teilweise erheblich sind.

Insbesondere die Unterschiede zwischen Hausbank und Online-Bank sind gigantisch. Vor allem hier kann ein Depotwechsel also bares Geld sparen.  

Es ist ein Muss für jeden Privatanleger, einen umfangreichen Depot-Vergleich durchzuführen, um mögliche Einsparpotenziale bei Orderkosten und Kosten im Rahmen von Fonds- und ETF-Sparplänen zu ermitteln.

Gerade dieser Punkt wird leider von vielen Anlegern immer wieder vernachlässigt und auf die leichte Schulter genommen.

Orderkosten? Was sind denn schon ein paar Euro mehr oder weniger bei Aktienkauf. Die fallen doch nicht ins Gewicht...

Eine Aussage, die so mit Sicherheit häufig von Privatanlegern getroffen wird, jedoch gänzlich falsch ist!

Wie wichtiges es ist, bei den Kosten (Einzelkauf bei Aktien, Ausgabeaufschlag bei Fonds) genau hinzuschauen, zeigt nachfolgende Grafik. Untersucht wurden zwei Fondssparpläne (6% Rendite p.a., 200 Euro pro Monat, Steuern nicht berücksichtigt) über einen Zeitraum von 30 Jahren.

Der eine Broker räumt einen Rabatt auf den Ausgabeaufschlag ein, der anderen verlangt 3% pro Order.  

Depotwechsel - Kosten Sparplan

 

Der Unterschied ist deutlich zu erkennen: Bei einem Rabatt auf den Ausgabeaufschlag stehen nach 30 Jahren 123.851,29 Euro zu Buche, bei einem Ausgabeaufschlag von 3% lediglich 118.146,89 Euro. Das macht einen Unterschied von stolzen 5.704,40 Euro.

Auch in Sachen Depotgebühren solltest du wachsam sein. Es gibt heute nach wie vor Broker, die für die Bereitstellung eines Depots jährliche Gebühren erheben. Unabhängig davon, ob du Aktien hältst oder nicht. In einem solchen Fall lautet mein Ratschlag ganz klar: Depotwechsel!

3. Neue Anbieter

Die Konkurrenz zwischen den Brokern wächst immer mehr.

Jahr für Jahr schießen neue Anbieter beinahe wie Pilze aus dem Boden und locken Kunden mit attraktiven Preismodellen, beispielsweise FreeBuy-Aktionen oder niedrigen Kosten beim Kauf an ausländischen Börsen.

Warum also nicht durch einen Depotübertrag von diesen Vorteilen profitieren?

Achtung: Trotz vieler Vorteile solltest du die Sicherheit nicht außer Acht lassen. Informiere dich genau, welche Art der Einlagensicherung der neue Broker in Aussicht stellt und ob er bei einem größeren Finanzinstitut angegliedert ist.

4. Die Depotwechsel Prämie

Nicht zu verachten sind die sensationellen Depotwechsel Prämien, die von den Brokern bei einem Depotübertrag ausgegeben werden.

Etablierte Anbieter locken mit Bargeldprämien von mehreren Tausend Euro oder erheblichen Rabatten auf die Ordergebühr.

Natürlich ist eine solche Depotwechsel Prämie zunächst sehr attraktiv, sollte jedoch niemals der einzige Grund für einen Depotübertrag sein. Es macht keinen Sinn, von einem guten Broker zu einem mittelmäßigen oder schlechten Broker nur wegen der Depotwechsel Prämie umzuziehen.

Achtung: Eine Depotwechsel Prämie ist steuerpflichtig, wenn diese mit anderen „sonstigen Einkünften“ die Summe von 256 Euro übersteigt (s. §22 Einkommenssteuergesetz)  

5. Angebot im außerbörslichen Handel

Für Privatkunden gewinnt der außerbörsliche Handel immer mehr an Bedeutung. Hier könnten Finanzprodukte direkt mit Emittenten teilweise ohne Gebühren gehandelt werden.

Auch Aktien können hier zu besseren Konditionen gekauft oder verkauft werden.  


Wie läuft der Depotübertrag ab?

Angst vor einem Depotwechsel? Musst du nicht haben!

Viele Privatanleger scheuen bei einem Depotübertrag den hohen Verwaltungsaufwand, der sich jedoch wirklich in Grenzen hält.

Da es im Interesse deines vermeintlich neuen Brokers ist, dich als Neukunden zu gewinnen, übernimmt dieser auch den gesamten organisatorischen Aufwand inklusive aller Formalitäten. Sogar die Schließung deines alten Depots wird vom neuen Broker veranlasst.

Einzig um das PostIdent-Verfahren beim neuen Broker, sowie die Einrichtung des Freistellungsauftrags musst du dich selbst kümmern. Vorsicht ist auch dann geboten, wenn Stop-Limits bei deinen Positionen gesetzt waren. Diese musst du nach einem Depotwechsel bei deinem neuen Broker erneut aktivieren.

Kosten kommen auf dich im Rahmen eines Depotübertrags nicht zu – einem BGH Urteil aus dem Jahre 2004 sei Dank.  

Auch steuerliche Aspekte sind zu vernachlässigen, wenn der Depotbesitzer derselbe bleibt. Wird das Depot jedoch auf eine andere Person übertragen, können gegebenenfalls Gewinnsteuern anfallen.  

Die Dauer eines Depotübertrags kann variieren und ist nicht gesetzlich geregelt. Üblicherweise sollte der Wechsel jedoch innerhalb eines Monats erfolgt sein.         

  

Vorsicht bei Bruchstücken   

 Wer im Rahmen eines Sparplans in Aktien, Fonds oder ETFs investiert, wird in seinem Depot auch Bruchstücke gelagert haben. Bei einem Depotwechsel können nur ganze Anteile, Bruchstücke jedoch nicht übertragen werden.

Du solltest dich also vor dem Depotübertrag um den Verkauf der Bruchstücke selbst kümmern.


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