Diversifikation – so senkst du das Risiko durch aktives Depotmanagement

Diversifikation (auch Diversifizierung) ist ein Muss, um die Sicherheit bzw. das Verlustrisiko des eigenen Depots zu reduzieren.

Heißt: Verteile dein Kapital auf mehrere tragende Schultern. In unserem Fall Unternehmen.

Oder ausgedrückt mit einer Analogie zum Pferdesport: Setze niemals dein gesamtes Geld auf ein Pferd!

Was relativ einfach klingt, kann sich in der Praxis doch als sehr schwierig darstellen. Ein Portfolio breit zu diversifizieren erfordert nämlich weitaus mehr, als einfach nur 30 verschiedene Aktien zu kaufen.

Diversifikation, nur um der Diversifikations Willen wäre der komplett falsche Ansatz.

In diesem Beitrag erfährst du, wie du eine durchdachte Portfoliostruktur aufbaust und durch eine überlegte Diversifizierung das Risiko deiner Kapitalanlage erheblich senkst.  

Diversifikation – Definition

Bevor wir die praktische Umsetzung der Portfolio-Diversifikation angehen, sollte zunächst der Begriff an sich geklärt werden...

Was bedeutet überhaupt Diversifikation?

Ganz einfach: Die Diversifikation beschreibt die Ausweitung von Wahlmöglichkeiten. Dabei werden insbesondere zwei Ziele verfolgt:

a) Die Erhöhung der Chancen

b) Der Abbau von Risiken

Heißt konkret auf ein Aktiendepot angewendet: Durch die Verteilung des Kapitals auf mehrere Unternehmen bzw. Anlageprodukte soll die Renditeerwartung erhöht und gleichzeitig das Risiko eines Totalverlusts reduziert werden.

Meist wird dies umgesetzt, indem in unterschiedliche Anlageformen investiert wird, die eine geringe Korrelation (Beziehung) zueinander aufweisen, beispielsweise Aktien und Anleihen. Dazu jedoch später mehr...

Ihren Ursprung findet die Diversifizierung bereits im alten Babylon vor 2000 Jahren. Erstaunlicherweise erkannten die Babylonier bereits früh, dass Vermögen im Idealfall auf unterschiedliche Anlageobjekte verteilt werden sollte.

Die heutige Diversifikationslehre stützt sich auf die „Portfolio-Selection-Theorie“ des Ökonomen Harry M. Markowitz. Dieser beschrieb im Jahr 1952 die Wichtigkeit einer Risikostreuung und untersuchte außerdem das Verhalten von Investoren.

Seine Aussage: Die Risiken verschiedener Anlage und Anlageklassen sind nur selten voneinander abhängig. Somit kann das Risiko der Anlage X durch das Risiko der Anlage Y wieder aufgehoben werden, da beide Anlage auf ein identisches Ereignis in der Zukunft wahrscheinlich unterschiedlich reagieren werden.  

Heute beruhen viele moderne Modelle auf der Arbeit von Harry M. Markowitz.      


Diversifizierung – wichtige Überlegungen und Nachteile

Wer sein Geld schon länger an der Börse anlegt wird bereits festgestellt haben, dass es an den Finanzmärkten niemals Schwarz oder Weiß gibt. Vielmehr ist es ein Grau.

Die „eierlegende Wollmilchsau“ existiert einfach nicht.

Gleiches gilt auch für die Diversifikation.

Wer meint, dass er sein Kapital einfach auf x-verschiedene Anlageprodukte verteilen und dadurch ein Verlustrisiko nahezu ausschließen kann, die Rendite jedoch erheblich steigert, ist schlichtweg blauäugig.

Auch die Diversifikation hat ihre Nachteile und prominente Kritiker, wie zum Beispiel Investorenlegende Warren Buffet. Dieser rät zwar zur Diversifikation, jedoch nur in einem gesunden Maß.

Wie immer bringt er es auf den Punkt: „If you have a harem of 40 women, you never get to know any of them very well.“ Heißt übersetzt: Wenn Sie einen Harem von 40 Frauen besitzen, lernen Sie keine richtig kennen.“

Will uns Buffet damit sagen, dass sich die Diversifizierung auf maximal 40 Einzeltitel beschränken sollte?

Mitnichten!

Wie immer ist die Antwort zwischen den Zeilen zu lesen. Im Buch „Warren Buffet – Sein Weg. Seine Methoden. Seine Strategie“ wird beschrieben, dass er grundsätzlich ein Freund des sogenannten „Faktor Investing“ ist: Er kennt und analysiert Unternehmen bis in das kleinste Detail und investiert entsprechend hohe Summen, wenn er eine gute Chance erkennt. Gleichzeitig gibt er jedoch zu bedenken, dass diese Methode nur bedingt für Privatanleger geeignet ist und für diese eine breitere Diversifizierung durchaus Sinn machen kann. Aber eben in Maßen!

Es gibt also einige Punkte zu bedenken in Sachen Diversifikation, die durchaus nachteilig sind...


1. Erhöhter Kapitalbedarf

Es macht definitiv keinen Sinn, ein Anlagevermögen von 1.000 Euro auf 20 verschiedene Anlageprodukte zu verteile, nur um eine breite Diversifizierung zu erreichen. Die Orderkosten wären hier so gewaltig, dass bereits große Teile des Kapitals aufgebraucht wären, bis überhaupt Positionen aufgebaut sind.

Die Diversifikation erfordert also einen erhöhten Kapitalbedarf.

Ausnahme: Die Investition in ETFs. Hierdurch lässt sich auch mit geringem Kapital eine breite Diversifizierung erreichen. In letzten Kapital mehr dazu...


2. Großer Organisationsaufwand

Wer ein Depot, bestehend aus vielen Einzelpositionen besitz, sollte gut organisiert sein, um nicht den Überblick zu verlieren. Ein Portfolio mit 20, 30 oder gar 40 Einzeltiteln verwaltet sich nicht mal ebenso nebenbei.

Es ist also extrem wichtig, den roten Faden und eine gelungene Organisation niemals aus den Augen zu verlieren, je breiter die Diversifikation wird.


3. Kostenfaktor

In Punkt 1 habe ich den Faktor „Orderkosten“ bereits angesprochen. Dieser erhöhte sich selbstverständlich parallel zu einer immer weiterwachsenden Diversifikation. Wer ein Depot mit 100 Einzelaktien besitzt, muss eben auch für 100 Einzelaktien Kauf- und Verkaufsgebühren bezahlen.


Was soll man nun mit diesen Nachteilen anfangen? Auf Diversifikation verzichten?

Auf keinen Fall!

Die Diversifizierung ist eine der wahrscheinlich wichtigsten Regeln für Privatanleger. Die angeführten Nachteile zeigen jedoch, dass auch die Diversifikation eben die ein oder andere Vorüberlegung erfordert und nicht im Handumdrehen umgesetzt ist.


Diversifikation Beispiel: Diversifizierung in der Praxis

Der theoretische Gedanke der Diversifikation dürfte nun klar sein: Durch die Kapitalverteilung auf verschiedene Anlageklassen soll eine Risikominimierung bei gleichzeitiger Chancenerhöhung erfolgen.

Erreicht wird dies, indem Anlageinstrumente mit geringer Korrelation erworben werden.

Anders ausgedrückt: Anlageprodukte, die eine geringe Beziehung und Abhängigkeit zueinander aufweisen.  


Vorüberlegung: Korrelation

Die Diversifizierung kann grundsätzlich auf die Korrelation reduziert werden, denn es dreht sich alles um genau diese Kennzahl.

Je geringer die Korrelation der Werte eines Depots ist, desto geringer fällt ein Verlust einer einzelnen Position ins Gewicht.

Gemessen wird die Korrelation in Zahlenwerten: Der Wert -1 ist am besten, der Wert 1 am schlechtesten.

Weisen zwei Aktien einen Korrelationswert von -1 auf, würde der Kursverlust von Position a durch Position b vollständig ausgeglichen werden, da sich beide Aktien in die exakt gegengesetzte Richtung entwickeln. Bei einem Wert von 1 entwickeln sich beide Positionen identisch.

Die schlechte Nachricht: Negative Korrelationswerte sind in der Praxis eigentlich nicht zu finden. Die durchschnittliche Korrelation an den Märkten liegt also im positiven Bereich. Meist wird diese zwischen 0,4 und 0,7 angegeben.

Ein tolles Video, welches dir diese Thematik nochmals am Beispiel der Faktoren Niederschlag, Sonne und Regenschirme erklärt, hat „Fintool“ erstellt.

Doch wie berechnet man nun die Korrelation zwei Wert miteinander? Ohne Grundkenntnisse in höhere Mathematik zu haben, ist das sicherlich schwer...

Die gute Nachricht. Es gibt zahlreiche Plattformen, die zumindest die Korrelation von Aktien zu verschiedenen Indizes angeben. So zum Beispiel Onvista. Hier findest du die Korrelation auf der Übersichtsseite einer Aktie unter dem Punkt „Kennzahlen - technisch“.

Eine weitere Übersicht bietet die Korrelationsmatrix des DAX, die eine Abhängigkeit aller 30 Werte innerhalb der letzten 30 Tage zueinander beschreibt.    

 

Diversifizieren in 3 Schritten

Nun gilt die Aufmerksamkeit der Praxis und der Frage: Wie lässt sich nun die Diversifikation in einem Depot praktisch umsetzen?

Genau mit dieser Thematik zeigen sich Privatanleger nämlich häufig überfordert. Ein einfacher Anhalt kann eine Vorgehensweise in 3 Schritten sein:

  1. Schritt 1: Anlageprodukte
  2. Schritt 2: Branchen
  3. Schritt 3: Länder


1. Diversifizieren nach Anlageprodukten  

Im ersten Schritt der Diversifikation sollte es um die übergeordnete Kategorie der Anlageprodukte gehen. Hierunter fallen Termingelder, Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Immobilien, etc.

Anhand dieser Diversifizierung sollte eine grundlegende Richtung und ein klares Primärziel des Depots festgelegt werden.

Heißt: Der Anleger sollte klar definieren, ob Rendite vor Sicherheit oder Sicherheit vor Rendite steht. Mit erhöhten Renditeerwartungen sinkt die Sicherheit. Wer ein hohes Maß an Sicherheit fordert, darf keine hohe Rendite erwarten.

Hilfe bei diesem Schritt bieten die 5 Risikoklassen (A= wenig riskant; E=sehr riskant) nach § 31 WpHG (Wertpapierhandelsgesetz), die genau definieren, wie riskant ein Anlageinstrument ist. Eine Übersicht ist bei Wikipedia zu finden.

Anhand dieser Risikoklassen lässt sich ableiten, dass Termingelder vor Anleihen und Investmentfonds die sicherste Form der Geldanlage sind. Aktien sind in der Kategorie E eingestuft und gelten als sehr riskant.

Demnach könnte eine Diversifizierung nach Anlageprodukten, in Abhängigkeit von Renditeerwartung und Sicherheit, folgendermaßen aussehen...

Diversifizierung Sicherheit
Diversifizierung Rendite



2. Diversifizieren nach Branchen

Unternehmen, die an der Börse gelistet sind, werden in unterschiedliche Branchen unterteilt (eine Übersicht aller Branchen findest du hier).

Je nach Wirtschaftslage können sich diese einzelnen Branchen sehr unterschiedlich entwickeln. Hierbei gilt es zu beachten, dass es Branchen mit einer sehr geringen und sogar negativen Korrelation gibt.  

Dies bedeutet, dass sich ein Anleger entsprechend positionieren und im Rahmen der Diversifikation auch unterschiedliche Branchen abdecken sollte.

Es sollte also darauf geachtet werden, dass einzelne Branchen nicht zu stark in einem Depot vertreten sind.

Außerdem ist eine Unterscheidung in Sachen Risiko und Sicherheit zwischen den Branchen zu treffen. Hier hilft der logische Menschenverstand: Die Branchen „Versorger“, „Nahrung“ oder „Getränke“ werden vermutlich sicherer sein als „Finanzdienstleister“ oder „Rüstungsindustrie“.

Eine Diversifizierung nach Branchen könnte folgendermaßen aussehen...

Diversifikation nach Branchen


3. Kapitalverteilung nach Ländern

Zugegeben, im Zuge der Globalisierung ist bei der Entwicklung der Aktienmärkte der Länder ein immer stärkerer Gleichschritt zu beobachten. Die Korrelation nimmt also stetig zu.  

Aus diesem Grund kann die Diversifizierung nach Ländern wirklich im letzten Schritt erfolgen.

Gänzlich darauf zu verzichten ist dennoch nicht empfohlen.

Eine Diversifikation nach Ländern könnte so aussehen...

Diversifikation nach Ländern


      

Den Erfolg der Diversifizierung messen: Die Volatilität

Ob sich die Diversifikation erfolgreich gestaltet hat oder nicht, lässt sich einfach anhand der Volatilität berechnen.

Für diejenigen, die mit der Volatilität noch nichts anfangen können, hier ein kleiner Exkurs...

Das Risiko einer Aktie wir häufig durch ihre Volatilität angegeben. Hierbei handelt es sich um die Schwankungsbreite des Aktienkurses in der Vergangenheit. Ein Beispiel: Eine Aktie mit einer Volatilität von 20 Prozent ist im Verlauf des Betrachtungszeitraums zwischen 80 Prozent und 120 Prozent ihres aktuellen Kurses geschwankt. Eine ausführlichere Erklärung gibt's im Börsenlexikon.

Folglich kann anhand der Volatilität des Gesamtportfolios auch dessen Gesamtrisiko ausgedrückt werden.

Da die Berechnung sehr komplex ist bieten mittlerweile viele Online-Broker diese Kennzahl in der Depotübersicht an.

Sollte dies bei deinem Depot nicht der Fall sein, kann ich dir die kostenlose Open-Source Software „Portfolio Performance“ empfehlen, die ich selbst seit vielen Jahren nutze. Die Software kannst du für alle gängigen Betriebssysteme hier herunterladen.

Eine übersichtliche Darstellung der Volatilität deines Depots ist in der Software beinhaltet.


Einfache Umsetzung mit ETFs

Der wahrscheinlich einfachste Weg für Privatanleger, ein breit gestreutes Portfolio aufzubauen, ist mittels Exchanged Traded Fonds (ETFs).

Viele dieser ETFs enthalten mehrere hundert Unternehmen aus vielen verschiedenen Ländern und Branchen. Als Beispiel wäre ein MSCI World ETF zu nennen, der den MSCI World Index abbildet. Dieser enthält über 1.600 Einzelaktien aus 23 Industrienationen.

Wer also noch nicht über viel Kapital verfügt oder wer nicht bereit ist, die Diversifizierung in mühsamer Handarbeit umzusetzen, kann auf diese Weise ein breit gestreutes Portfolio aufbauen.


Was denkst du? Ist eine breite Diversifizierung sinnvoll oder nicht? Deine Meinung würde mich sehr interessieren. Ab damit in die Kommentare...  

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