Dividendenstarke Aktien – diese Vor- und Nachteile MUSST du kennen...

Sind dividendenstarke Aktien sind der heilige Gral für Privatanleger?

Ohne Zweifel sind Dividenden ein tolles Vehikel für den Vermögensaufbau und eignen sich perfekt, um finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen. Schließlich generieren regelmäßige und zuverlässige Dividendenströme ein schickes passives Einkommen.

Es ist jedoch wie in vielen anderen Bereichen der Börse auch: Während das eine Lager voller Überzeugung die Dividendenstrategie als das Nonplusultra betitelt, gibt es genügend Börsianer, die den Hype um die Dividendenstrategie immer wieder bremsen.

Ich habe mich aus diesem Grund auf die Suche nach Vor- und Nachteilen dividendenstarker Aktien gemacht und in diesem Beitrag nüchtern und unparteiisch für dich zusammengetragen.

Dividendenstarke Aktien als Grundlage einer Investmentstrategie

Wie wird überhaupt eine Anlagestrategie um dividendenstarke Aktien formuliert?

Eigentlich gar nicht so schwer, wie man vielleicht meinen möchte...

Schritt 1: Unternehmensqualität

Zunächst werden qualitativ hochwertige Unternehmen im Rahmen einer detaillierten Aktienanalyse identifiziert.

Hier werden Bereiche wie Wachstumschancen, Zuverlässigkeit, Langlebigkeit und Kontinuität besonders unter die Lupe genommen. Ziel ist es, Unternehmen zu finden, die über mehrere Jahre (im Idealfall Jahrzehnte) bewiesen haben, einen guten Vertrieb, ein solides Geschäftsmodell und ein rationales Management zu besitzen.

Schließlich will man in Unternehmen finden, die auch in Zukunft sichere Gewinne und daraus resultierend zuverlässige Dividendenzahlungen versprechen.

Schritt 2: Dividenden

Im zweiten Schritt gilt die gesamte Aufmerksamkeit den Dividenden. Wenn du jetzt jedoch der Meinung bist, dass es ausreicht, lediglich die Aktien mit der höchsten Dividendenrendite auszuwählen, bist du auf dem Holzweg!

Dividenden sollten nämlich insgesamt 3 Merkmale aufweisen:

  • Dividendenkontinuität: Ein Unternehmen sollte in der Lage sein, Dividenden Jahr zu Jahr zuverlässig zu bezahlen. Im Idealfall sollte die Dividenden sogar jährlich angehoben werden. Wer hier besonders gute Arbeit leistet, steigt in den Olymp der Dividendenaristokraten auf – Unternehmen, die 25 Jahr in Folge die Dividende regelmäßig erhöhen konnte.
  • Ausschüttungsquote (auch pay out ratio): Dividenden stellen eine anteilige Ausschüttung vom Jahresgewinns eines Unternehmens an seine Aktionäre dar (mehr unter Dividenden Definition). Ein Unternehmen sollte jedoch darauf bedacht sein, nicht seinen gesamten Unternehmensgewinn auszuschütten, nur um eine hohe Dividendenrendite zu ermöglichen. Dies wird leider immer wieder versucht, um Attraktivität vorzutäuschen. Achte also auf eine maximale Ausschüttungsquote von maximal 60% bis 70%.
  • Dividendenrendite: Selbstverständlich darf auch die eigentliche Dividendenrendite nicht zu kurz kommen. Hier sollte der Mindestanspruch über 2% liegen.


Dividendenstarke Aktien zu finden scheint theoretisch also gar nicht so schwer zu sein, wie du vielleicht angenommen hast.

Ist es auch nicht!

Natürlich solltest du auch bei dieser Investmentstrategie stets bemüht sein, dein Knowhow zu verbessern und dich regelmäßig weiterzubilden. Allerdings ist der Start in diese Strategie weit unkomplizierter als im Vergleich zu anderen Anlagestrategien.


Dividendenstarke Aktien und ihre Vorteile

#1: Passiver Einkommensstrom 

Ein Gehalt, für das man nicht arbeiten muss? Der Traum eines jeden Anlegers...

So ungefähr können Dividenden beschrieben werden. Natürlich ist auch hier zunächst Arbeit und Fleiß gefordert, nämlich bei der Unternehmensanalyse. Ist diese jedoch erledigt und wurde vor allem gründlich durchgeführt, kann man sich unter Umständen eines Unternehmens erfreuen, dass ein Leben lang zuverlässig Dividenden ausschüttet.

Das tolle an diesem passiven Einkommensstrom ist, dass du durch deine Unternehmensauswahl selbst steuern kannst, wann diese Erträge auf deinem Konto einfliegen. Dividenden werden nämlich, je nach Unternehmensart und –sitz, jährlich, halbjährlich, quartalsweise oder sogar monatlich ausgeschüttet.

Nach Dividendenausschüttung liegt es an dir, was du mit diesen Einnahmen machst. Entweder du gibst diese aus oder aber du reinvestierst. Ich würde dir letztere Alternative empfehlen, um vom sogenannten Zinseszins zu profitieren (wie genau dieser wirkt erfährst du im Artikel „Millionär werden mit Aktien“).


#2: Dividenden als sicherer Hafen 

Kurzfristige Turbulenzen an den Finanzmärkten? Sind Dividendeninvestoren eigentlich relativ egal...

Da Dividenden unabhängig von der Kursentwicklung gezahlt werden, kannst du dich als Anleger in dividendenstarke Aktien ganz entspannt zurücklehnen, wenn es etwas ungemütlich wird. Schließlich wird die Dividende auch gezahlt, wenn der Kurs 10%, 20% oder 30% abschmiert.

Einziger Sorgenpunkt: Fundamentale Unternehmenskrise. Da Dividenden einen Anteil vom Unternehmensgewinn darstellen, solltest du dir erst dann Sorgen machen, wenn auch Umsätze und Gewinne zurückgehen.

Du genießt also als Dividendeninvestor den Luxus eines deutlich entspannteren Börsenlebens mit weniger Hochs und Tiefs...herzlichen Glückwunsch 🙂 


#3: Dividenden sind ein Qualitätsmerkmal und stabilisieren den Kurs 

Eine hohe und vor allem zuverlässige Dividendenrendite ist und bleibt ein Qualitätssiegel für Unternehmen. Aktien mit hoher Dividende sind bei Investoren einfach beliebter als Aktien, die überhaupt keine Dividende bezahlen.

Und es kommt noch besser: Verschiedene Untersuchungen habe gezeigt, dass Aktien mit einer hohen Dividendenrendite deutlich weniger volatil sind, als Aktien, die keine Dividende bezahlen.  


#4: Dividenden sind steuereinfach 

Dividendenerträge lassen sich leicht versteuern. Extrem leicht sogar...

Ist dein Steuerfreibetrag in Höhe von 801 Euro bzw. 1602 Euro bei verheirateten ausgeschöpft, führt die Bank den steuerpflichtigen Anteil auf Dividendenerträge selbstständig ab (Abgeltungssteuer).

Einzig kompliziert wird es bei ausländischen Dividenden. Hier erheben manche Länder eine sogenannte Quellensteuer, die unter Umständen etwas zu hoch sein kann. Ist dies der Fall, musst du beim zuständigen Finanzamt dieses Landes die zu viel entrichtete Steuer zurückfordern (zum Beispiel bei der Schweiz ist das so).

Dazu jedoch in einem anderen Blogbeitrag mehr...


#5: Dividenden sind ein Produkt vom Unternehmenserfolg, nicht von der Börse 

Dividenden sind einzig und allein auf unternehmerischen Erfolg zurückzuführen. Die täglichen Verrücktheiten am Aktienmarkt spielen hier also keine Rolle.

Dadurch sind Dividenden ein gutes Kriterium zur Bewertung eines Unternehmens. Eine solide und stetig steigende Dividende bei sich parallel entwickelndem Unternehmensgewinn ist schon mal ein erstes gutes Zeichen.

Zwar solltest du auf keinen Fall den Fehler machen, bei deiner Unternehmensanalyse nur auf die Dividendenrendite zu schauen, als erster Indikator kann die Dividende jedoch sehr nützlich sein.


#6: Dividenden sagen viel über den Vorstand eines Unternehmens aus

Im Buch „Warren Buffet – Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie“ wird beschrieben, dass es immer das Bestreben eines Managers sein sollte, für die Aktionäre zu arbeiten. Alle Entscheidungen, die ein Manager trifft, sollten zum Wohle der Aktionäre getroffen werden.

Solche Manager sind laut Buffet die, die rationale und durchdachte Entscheidungen treffen und nicht nach persönlichem Ehrgeiz handeln. Also genau die Manager, die du suchst!

Unternehmen, die also über viele Jahre hinweg eine zuverlässige Dividende bezahlen und diese im Idealfall sogar stetig erhöht haben, besitzen vermutlich genau diese Manager.  


#7: Dividenden können auch in Form von Aktien ausgeschüttet werden 

Dividenden können nicht nur als Barauszahlung, sondern auch in Aktien ausgeschüttet werden.

Einige Unternehmen bieten sogenannte DRIP-Programme (Dividende Reinvest Program) an.

Großer Vorteil eines solchen Programms: Da der Gewinn nicht ausgeschüttet, sondern in Form von Aktienanteilen sofort reinvestiert wird, entstehen unglaubliche Steuervorteile. Diese kommen besonders zum Tragen, wenn der Steuerfreibetrag bereits ausgeschöpft ist.


#8: Dividendenkürzungen als Warnsignal 

„Nicht immer, aber immer öfter“

Dieser Slogan, der dir vielleicht noch aus der Clausthaler Bierwerbung bekannt ist, gilt auch für die Interpretation von Dividendenkürzungen als Warnsignal.

Muss ein Unternehmen eine Dividende plötzlich und unvorhergesehen kürzen, sollten bei dir immer die Alarmglocken klingeln. Ein genauerer Blick auf das Unternehmen kann in so einem Fall nie schaden.

  

Die Nachteile dividendenstarker Aktien

Obwohl ich ein Fan der Dividendenstrategie bin, möchte ich mich in diesem Beitrag auch unparteiisch und kritisch mit den Nachteilen befassen, die dividendenstarke Aktien durchaus haben...

...zumindest, wenn der Fokus des Anlegers zu eng auf die Dividende gelegt wird.             


#1: Dividenden sind streng genommen ein Nullsummenspiel

Wird eine Dividende ausgeschüttet, wird deren Wert am Ausschüttungstag vom Aktienkurs abgezogen.

Eine Ausschüttung von 2 Euro pro Aktie führt auch zu einem Preisrückgang von 2 Euro pro Aktie.

Dividenden stellen also keinen zusätzlichen Ertrag dar, der zu einem Kursgewinn hinzuzurechnen ist, sondern reduzieren den Wert deiner gehaltenen Aktien.

Diese Tatsache ist der wahrscheinlich größte Angriffspunkt von Dividenden-Gegnern, die auch keineswegs von der Hand zu weisen ist.  

Aber: Fairerweise muss man hier auch einen Blick auf folgenden Chart werfen, der den DAX-Performance-Index mit dem DAX-Kursindex vergleicht (wenn dir der Unterschied zwischen beiden nicht geläufig ist, schafft dieser Artikel Klarheit).


Auch Kritiker der Dividendenstrategie werden nicht leugnen können, dass die Rendite des DAX-Performanceindex, der Dividendenzahlungen berücksichtigt, eindeutig besser ist!


#2: Dividenden sind nicht planbar 

„Dividenden sind der neue Zins“

Diese Schlagzeile ist, seitdem die EZB auf eine Nullzinspolitik umgestellt hat, in vielen Finanzzeitschriften und in vielen Börsenblogs zu finden.

Auch wenn mit Sicherheit ein Quäntchen Wahrheit in dieser Aussage steckt, muss ich doch widersprechen. Und zwar deswegen, weil Dividenden und Zinsen einen gewaltigen Unterschied aufweisen: Zinsen sind garantiert und planbar, Dividenden jedoch nicht.

Der Zinssatz deines Sparbuchs steht fest und ist in den Kontodetails niedergeschrieben.

Zwar werden auch hier manchmal Kürzungen vorgenommen (insbesondere innerhalb der letzten Jahre war dies aufgrund der Finanzkrise häufig der Fall), alles in allem kannst du jedoch sicher mit dem Zins planen.

Ob eine Dividenden ausgeschüttet wird, und wie hoch diese ausfällt, wird jedoch Jahr für Jahr aufs Neue auf der Jahreshauptversammlung der Aktiengesellschaft verhandelt. Planen kannst du mit einer Dividende also auf keinen Fall.

Ohne Frage, es existieren zahlreichen Dividendenunternehmen, die seit vielen Jahren zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk Dividenden zahlen, sicher kannst du dir dennoch nie sein.

Erinnere dich an den VW-Skandal zurück, in dessen Abwärtssog Volkswagen die Dividenden nahezu komplett streichen musste.  

Samuel Hartzmark hat zu diesem Thema ebenfalls einen sehr interessanten Artikel verfasst: The Dividend Disconnect


#3: Dividenden verschleiern evtl. die Sicht 

Viele Privatanleger machen, nachdem sie sich für die bewusste Anlage in dividendenstarke Aktien entschieden haben, einen entscheidenden Fehler:

Mit Scheuklappen wird der Blick nur noch auf Dividendenrendite, Ausschüttungsquote und Kontinuität geworfen.

Unternehmen, die hier nicht punkten können, fallen sofort durch das Raster.

Folglich wird einem Teil der Unternehmen überhaupt keine Aufmerksamkeit geschenkt: Wachstumsunternehmen, die aufgrund einer aggressiven Wachstumspolitik die gesamten Gewinne und Umsätze zunächst in die Expansion stecken und dadurch (noch) keine Dividende ausschütten.

Wer sich mit solchen Scheuklappen über das Börsenparkett bewegt, wird niemals in der Lage sein, die Amazon, Apple und Netflix von morgen zu erkennen. Es macht also durchaus Sinn, immer wieder einmal den Blick nach links oder rechts zu wagen.

Auch wenn du dich der Dividendenstrategie verschrieben hast, kann der ein oder andere Wachstumswert durchaus eine gute Depotbeimischung sein.     


#4: Diversifikation bleibt manchmal auf der Strecke 

Anleger, die ausschließlich auf Dividendenkennzahlen schauen, vernachlässigen häufig eine ausreichende Diversifikation.

Und hier geht es mir keinesfalls um die Aktienanzahl. Schließlich ist Warren Buffet zum Beispiel der Meinung, das ein Anleger niemals mehr als 10-15 Aktien besitzen sollte. Andernfalls könne er seinen Unternehmen nicht die nötige Aufmerksamkeit schenken.  

Die Rede ist hier vielmehr von einer zu großen Branchenlastigkeit.   


Fazit...

Die Dividendenstrategie hat unglaublich viele Gegner, die vor allem immer wieder die 4 dargestellten Nachteile kritisieren.

Dennoch bin ich der Meinung, dass sich die Dividendenstrategie sehr gut als Anlagestrategie für Privatanleger eignet.

Sie ist einfach umzusetzen und lenkt den Fokus auf Qualitätsunternehmen, die bereits seit vielen, vielen Jahren bewiesen haben, erfolgreich zu sein.

Ohne Zweifel ist jedoch, dass auch bei der Dividendenstrategie Fachwissen benötigt wird. Es ist eben deutlich mehr, als nur die Titel mit der höchsten Dividendenrendite zu kaufen. Zu einer erfolgreichen Strategie mit dividendenstarken Aktien gehört weitaus mehr (alles Wichtige erfährst du in dieser Blogserie).

Wie denkst du über Dividendenaktien?

Fallen dir weitere Vor- oder Nachteile ein? Ab damit in die Kommentare!

PS: Die besten Dividendenzahler findest du übrigens in unserem Dividendenkalender.

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