Wie du das Management eines Unternehmens richtig bewertest - Management Analyse

Wer Aktien detailliert analysieren möchte, sollte auch einen genauen Blick auf das Management des betreffenden Unternehmens werfen. Leider wird dieser Punkt gerade von Privatanlegern häufig vernachlässigt.  

Verwunderlich, denn es sind in der Regel nur wenige Leute, welche die gesamten Geschicke eines Unternehmens lenken und die zukünftige Strategie maßgeblich bestimmen.

Wie wichtig eine fundierte Management-Analyse tatsächlich ist zeigt uns allein die Tatsache, dass der erfolgreichste Investor der Welt, Warren Buffet, viele Woche damit verbringt, die Führungsebene eines Unternehmens genau unter die Lupe zu nehmen, bevor er investiert.

Doch warum verzichten Privatanleger lieber auf diesen Arbeitsschritt und investieren in Aktiengesellschafften, deren Führungsebene sie überhaupt nicht kennen?

Ganz einfach...

Die Daten und Informationen, die hierfür benötigt werden, sind nicht mal eben wie die gängige Aktienkennzahlen, z.B. KGV, KBV, oder Gewinn pro Aktie, auf den klassischen Finanzportalen zu recherchieren.

Eine fundierte Management-Analyse erfordert etwas mehr Zeitaufwand und Durchhaltevermögen!

So schwer, wie viele Anleger befürchten, ist es dennoch nicht! Das Management eines Unternehmens lässt sich auch als Privatinvestor mit frei zugänglichen Medien auf Herz und Nieren prüfen.

Mit diesem Beitrag möchte ich dir einen Leitfaden an die Hand geben, wie so eine Analyse aussehen könnte.


 

Eine wichtige Vorüberlegung...

Bevor wir in den praktischen Teil einsteigen, möchte ich mir die Zeit für eine wichtige Vorüberlegung nehmen: Warum ist es überhaupt so wichtig, bei der Analyse eines Unternehmens auch das Management genau zu untersuchen?

Die Antwort habe ich bereits in der Einleitung teilweise vorweggenommen...

Ein Unternehmen, egal ob DAX-Konzern oder mittelständischer Betrieb, wird in der Regel nur von einer Handvoll Führungskräfte entscheidend gelenkt.

Sie sind es, die über

  • Kurz- und langfristige Unternehmensstrategie
  • Umgang mit Mitarbeitern
  • Verwendung des Kapitals
  • Prozessmanagement
  • Vertriebsmanagement

entscheiden und somit den größten Einfluss auf den Erfolg eines Unternehmens nehmen.

Fakt ist: Nur ein gut geführtes Unternehmen wird es schaffen, in der Zukunft Gewinne zu erwirtschaften. Und diese Gewinne sind es wiederum, die auch den Aktienkurs steigen lassen.

Ein gutes Management ist also essenziell für steigende Aktienkurse und somit für uns Aktionäre!


Was macht ein gutes Management aus?

Um sich das Prädikat „gut“ oder sogar „sehr gut“ zu verdienen, muss das Management eines Unternehmens eine wichtige Tatsache erkannt haben: Es ist das Zusammenspiel vieler verschiedener Faktoren, das schlussendlich über Erfolg und Misserfolg bestimmt.

Ich vergleiche diese Faktoren gerne mit Zahnrädchen in einer Maschine (s. nachfolgende Grafik). Nur wenn diese Zahnrädchen perfekt ausgerichtet und miteinander verknüpft sind, wird die Maschine funktionieren.

Management Analyse Zahnräder

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Überträgt man diese Metapher auf ein Unternehmen in der freien Wirtschaft, lassen sich folgende Schlüsse ziehen:

Ein Unternehmen kann nur funktionieren, wenn die dort beschäftigten Mitarbeiter zufrieden und motiviert sind. Dies wiederum klappt nur, wenn eine vernünftige Gehaltsstruktur und entsprechende Aufstiegschancen vorhanden sind.

Damit die motivierten Mitarbeiter auch wissen, was sie zu tun haben, sollte eine langfristige und klare Strategie vorhanden sein, die deutlich vorgibt, in welche Richtung sich ein Unternehmen entwickeln sollte.

Und zu guter Letzt sollte ein stetiger und zuverlässiger Kapitalstrom vorhanden sein, der nur durch ein rationales Kapitalmanagement gewährleistet werden. Hierfür wiederum ist in erster Linie das Management verantwortlich.

Und so weiter...

Du siehst: Ein Unternehmen zu führen ist nicht so einfach, wie man vielleicht zunächst denkt.

Insbesondere größere Konzerne benötigen daher ein fähiges Management. Ein Management, das genau weiß, was es tut, über Erfahrung verfügt und dem das Wohl des Unternehmens (und der Aktionäre) auch am Herzen liegt.

Wie du überprüfen kannst, ob das Management diese Eigenschaften auch mitbringt, erfährst du im zweiten Teil dieses Artikels, im Praxisteil.

Bevor wir in diesen Praxisteil einsteigen, möchte ich dich auf einen kleinen Exkurs entführen, der die Frage beantwortet: Wie analysiert eigentlich der Meister der Aktienanlage, Warren Buffet, das Management eines Unternehmens?  

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Exkurs: So analysiert Warren Buffet das Management eines Unternehmens

Von Börsenlegende Warren Buffet kannst du in puncto Management-Analyse einiges lernen...

Warren Buffet hat drei wichtige Grundsätze, die das Management eines Unternehmens auf jeden Fall erfüllen muss, damit er dort investiert:

  • Das Management muss rational sein! Trifft das Management rationale Entscheidungen und verwendet es den Gewinn sinnvoll oder wird in utopische und nicht zielführende Projekte investiert?
  • Das Management muss ehrlich sein! Gibt das Management ehrlich zu, wenn es einen Fehler gemacht hat oder versucht es diesen schönzureden oder sogar zu vertuschen?  
  • Das Management muss dem institutionellen Imperativ widerstehen! Als „institutioneller Imperativ“ bezeichnet Buffet das Fehlverhalten eines Managers, indem er die Vorgehensweise fremder Manager kopiert, nur weil es eben alle anderen gerade auch so machen. Laut Buffet sollte jeder Manager strikt seine eigene Strategie verfolgen.

Alle drei Punkte finden sich übrigens in abgewandelter und leicht vereinfachter Form im folgenden Praxisteil wieder...

Quelle: Warren Buffet – Sein Weg. Seine Methoden. Seine Strategie

Die Praxis: Das Management analysieren in 4 Schritten

Theorie ist immer schön und gut, vor allem aber mit der Praxis haben Privatanleger immer wieder Probleme.

Aus diesem Grund möchte ich dir in diesem Teil des Beitrags einen einfachen 4-Schritte-Plan an die Hand geben, den du zukünftig bei deinen Management-Analysen anwenden kannst.

Alle 4 Schritte dienen dazu, dir ein detailliertes Bild über das Management und dessen Philosophie zu vermitteln. Dabei lassen sich alle Informationen in frei zugänglichen Medien recherchieren.

Eines vorweg: Die Management-Analyse ist mit Arbeit verbunden und lässt sich nicht mal eben im Handumdrehen bewerkstelligen. Diese Zeit solltest du dir aber auf jeden Fall nehmen, denn das Management ist, wie bereits besprochen, das Herz und die Seele eines jeden Unternehmens.


Schritt 1: Die Biografie

Wenn du dich mit dem Management eines Unternehmens befasst, wartet auf dich die schwierige Aufgabe, Personen zu analysieren und einzuschätzen, die du überhaupt nicht kennst.

Daher ist es im ersten Schritt sehr wichtig, sich zunächst ein Bild über alle Management-Mitglieder zu verschaffen.

Hierzu kannst du entweder Wikipedia oder Google verwenden. Zu allen Managern größerer und mittelständischer Konzerne findest du hier ausreichend Informationen, welche dir einen ersten Eindruck zur bisherigen Vita eines Managers vermitteln.

Dabei sind vor allem folgende Fragen interessant:

  • Was hat der Manager studiert?
  • In welchen Unternehmen war er bereits beschäftigt?
  • Wie hat er seine Arbeit dort gemacht?
  • Gibt es besondere Skandale oder Misserfolge?
  • Kann der Manager bereits Erfolge vorweisen?

Wenn du die Antworten auf diese 5 Fragen ausgiebig recherchierst, hast du bereits einen sehr detaillierten Eindruck von einem Manager und kannst erste fundierte Schlussfolgerungen anstellen.


Schritt 2: Die Managementstruktur

Der zweite Schritt der Analyse beschäftigt sich mit der Struktur des Managements.

Mit Sicherheit ist dir das Sprichwort: „Viele Köche verderben den Brei“ geläufig. Gleiches gilt auch bei der Zusammensetzung eines Unternehmens-Managements.

Generell gilt: Je schlanker desto besser!

Das Management gut geführter DAX-Konzerne setzt sich in der Regel aus 6-10 Personen zusammen. Mehr sollten es auch nicht sein.

Ein großes Management, das aus vielen Personen besteht, hat nämlich zwei entscheidende Nachteile:

  • Es ist schwierig, sich auf eine eindeutige Richtung festzulegen, wenn viele Personen mit wichtigen Aufgaben betraut sind.
  • Bei vielen Personen wird es immer eine Grüppchenbildung geben, die definitiv nicht gewünscht ist und eine erfolgreiche Zusammenarbeit hemmt.

Im Anschluss gilt es, zwei weitere Faktoren zu untersuchen: Altersstruktur und Frauenquote.

Achte bei der Altersstruktur auf einen gesunden Mix zwischen Jung und Alt. Jüngere Manager können von älteren, erfahrenen Managern einiges lernen. Die älteren Manager hingegen profitieren mit Sicherheit von der modernen Sichtweise jüngerer Manager.

Außerdem solltest du an dieser Stelle bereits überprüfen, wie der Management-Nachwuchs ausgebildet wird. Werden die Manager von Morgen bewusst im eigenen Unternehmen „herangezogen“ oder werden diese von extern rekrutiert?

Externe Manager haben gegenüber intern ausgebildeten Managern immer den Nachteil, die Firmenphilosophie nicht von Beginn an verinnerlicht zu haben. Daher sollten im Betrieb ausgebildete Manager immer bevorzugt werden. Ein leuchtendes Beispiel ist hier übrigens das von Warren Buffet geführte Unternehmen Berkshire Hathaway, welches die eigenen Manager über viele Jahrzehnte hinweg selbst ausbildet. 

Auch ein gesunder Frauenanteil in der Management-Ebene ist durchaus als Qualitätsmerkmal zu sehen. Unterschiedliche Geschlechter bedeuten immer eine differenzierte Sichtweise auf die Dinge. Dies kann sich bei wichtigen Entscheidungen sehr positiv auswirken.      

Übrigens: Als Quelle kann dir bei diesem Schritt die Website des jeweiligen Unternehmens dienen. Hier sind alle Mitglieder des Managements übersichtlich dargestellt.


Schritt 3: Strategie und Ziele

In Schritt 3 geht es darum zu überprüfen, ob das Management seiner Strategie treu bleibt und seine gesteckten Ziele auch erreicht. Beides wichtige Voraussetzungen für ein gut geführtes und erfolgreiches Unternehmen.

Diese Überprüfung wird dich wahrscheinlich am meisten Zeit kosten, ist allerdings auch das Herzstück des 4-Schritte-Plans.

Um einen Überblick über die historischen und aktuellen Unternehmensziele zu erhalten, solltest du zunächst die Geschäftsberichte der letzten 4-5 Jahre studieren, insbesondere das Vorwort des Vorstandsvorsitzenden. Zu finden sind diese auf der Website des Unternehmens im Bereich „Investor Relations“. Hier ein Beispiel des Unternehmens Daimler.

Zunächst solltest du untersuchen, ob das Management seiner Strategie treu geblieben ist.  

Häufige Strategiewechsel bedeuten nämlich in der Regel auch hohe Umstrukturierungskosten und sind daher als sehr negativ anzusehen. Außerdem erwecken diese den Anschein, dass das Management keine konkrete Strategie zur zukünftigen Ausrichtung des Unternehmens besitzt.

Im Anschluss gilt deine Aufmerksamkeit der Frage, ob das Management in der Lage war, selbst gesteckte Ziele in der Vergangenheit zu erreichen.  

Diese Überprüfung lässt sich in der Regel mithilfe der Bilanz, die ebenfalls im Geschäftsbericht zu finden ist, anstellen, da Ziele häufig im Form konkreter Gewinn- oder Umsatzerwartungen formuliert werden.

Achte auch hier darauf, ob das Management seine Versprechungen halten konnte. Und wenn nicht, denke an den vorangegangenen Exkurs zu Warren Buffet: Ist das Management in diesem Fall aufrichtig und ehrlich? Räumt es die Verfehlung der Ziele ein oder folgt eine Flucht in Ausreden und Rechtfertigungen?              

 

Schritt 4: Persönliche Bindung und Erwartungen 

Was haben die Manager selbst eigentlich für eine Erwartung von der zukünftigen Entwicklung des Unternehmens? Diese Frage gilt es in Schritt 4 zu beantworten.  

Fündig wirst du in den sogenannten „Director’s Dealings“ oder „Insider-Trades“.

Bereits seit einigen Jahren sind Manager und in enger Beziehung zum Unternehmen stehende Personen gesetzlich verpflichtet, Wertpapiertransaktionen die das eigene Unternehmen betreffen, innerhalb von 5 Werktagen bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zu melden.

Dank dieses Gesetzes ist es dir als Privatanleger möglich, genau zu überprüfen, wann Mitglieder des Management Aktien des Unternehmens gekauft bzw. verkauft haben und wie groß ihr persönlicher Aktienbestand ist.  

Glaubt das Management an eine erfolgreiche Zukunft des Unternehmens, werden höchstwahrscheinlich viele Manager Aktien kaufen bzw. halten.

Rechnet das Management hingegen mit Verlusten und einer turbulenten Zukunft, werden wahrscheinliche viele Mitglieder ihre Aktien verkaufen.

Director’s Dealings sind also ein wichtiger Aspekt, den du immer (nicht nur im Rahmen deiner Management-Analyse) im Auge behalten solltest. Ein regelmäßiger Blick kann hier nie schaden!

Es gibt zahlreiche Plattformen, die dir eine übersichtliche Auflistung aller Director’s Dealings zu Verfügung stellen. Zum Beispiel boerse.de oder finanzen.net.


Zusammenfassung

Ohne Frage: Eine detaillierte Management-Analyse ist umfangreich und zeitaufwendig!

Allerdings solltest du diesen Baustein der fundierten Aktienanalyse niemals aus den Augen verlieren. Nur, wenn du das Management genau kennst, kannst du dir ein umfangreiches Bild eines Unternehmens machen.

Denke an Warren Buffet zurück...


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