Was sind Indizes? Börsenindizes einfach erklärt...

Bei der Aktienanlage kommst du immer wieder mit den sogenannten Börsenindizes in Berührung. Mit zu den bekanntesten dieser Börsenindizes bei deutschen Anlegern gehören der DAX, der DOW JONES und der S&P 500.

Doch was sind Indizes?

Genau dieser Frage möchte ich in diesem Beitrag auf den Grund gehen und dir erklären, was Börsenindizes sind, welche verschiedenen Arten es gibt und warum du diese überhaupt kennen musst.

Was sind Indizes? Die Begriffsdefinition

In einem Börsenindex sind viele verschiedene Aktien zusammengefasst. So besteht beispielsweise der deutsche Leitindex „DAX“ aus den 30 größten börsennotierten Aktiengesellschaften, die ihren Hauptsitz in Deutschland unterhalten.

Logischerweise besitzen auch andere Länder solche Börsenindizes. So trägt zum Beispiel der Leitindex der USA, der die 30 größten Unternehmen der USA beinhaltet, den Namen „DOW JONES“

Wichtig: Gewichtung der einzelnen Unternehmen

Bei der Zusammenstellung eines Börsenindex spielt immer auch die Größe eines Unternehmens (die sogenannte Marktkapitalisierung) eine wichtige Rolle. Größere Unternehmen beeinflussen einen Index nämlich mehr als kleine Unternehmen.

Kompliziert?

Ein Beispiel anhand des DAX sorgt bestimmt für Klarheit:

Wie bereits erwähnt, beinhaltet der DAX die 30 größten deutschen börsennotierten Aktiengesellschaften. Da jedoch alle AGs, abhängig von ihrer Größe, unterschiedlich gewichtet sind, beeinflussen diese die Entwicklung des DAX auch unterschiedlich stark. Die Kursentwicklung des Unternehmens SAP, das eine Marktkapitalisierung von 111 Mrd. Euro aufweist, wird den DAX also deutlich mehr beeinflussen als das Unternehmen „Lufthansa“, das lediglich eine Marktkapitalisierung von 10 Mrd. Euro aufweist. Eine übersichtliche Liste über die genaue Marktkapitalisierung der einzelnen DAX-Unternehmen findest du hier!

Diese Börsenindizes spiegeln nun die durchschnittliche Entwicklung der einzelnen Aktiengesellschaften wieder. Heißt: Steigt ein Index, werden wahrscheinlich auch die meisten darin enthaltenen Unternehmen an Wert gewinnen. Gleiches gilt für den Fall, wenn ein Index fällt.

Was aber lässt sich nun aus dieser Erkenntnis ableiten? Warum sind Börsenindizes so unglaublich wichtig?

Ganz einfach: Mithilfe eines Börsenindex lässt sich schnell und einfach die Gesamtmarktlage erkennen. Ein Beispiel: Fällt der DAX über mehrere Wochen / Monate, lässt sich daraus ableiten, dass die Stimmung an den deutschen Börsen gerade sehr schlecht ist und die Mehrheit der Anleger Aktien verkauft.

Bei Anlageentscheidungen solltest du also auf jeden Fall die großen Börsenindizes im Blick behalten, um nicht gerade in einem Bärenmarkt (Von einem Bärenmarkt spricht man, wenn die Börsenkurse sind seit dem letzten Hoch um mindestens 20 Prozent gefallen sind) zu investieren.

Nachfolgende Grafik zeigt die Wertentwicklung des DAX seit 1959. Hier ist unschwer zu erkennen, wann die Stimmung am Markt positiv und wann negativ war.

Der Performance- und Kursindex

Zwei extrem wichtige Begriffe, die bei der Beantwortung der Frage „Was sind Indizes?“ auf keinen Fall fehlen dürfen, sind Performanceindex und Kursindex. Diese beiden Begriffe verraten dir nämlich, wie die Entwicklung eines Börsenindex überhaupt zustande kommt.

Kursindex

Wie der Name vielleicht schon erahnen lässt, spielen für die Entwicklung eines Kursindex lediglich die reinen Kursgewinne eine Rolle. Dividenden oder andere Ausschüttungen werden hier also nicht miteinberechnet.

Performanceindex

Logischerweise handelt es sich bei einem Performanceindex um das exakte Gegenteil eines Kursindex. Hier werden nicht nur Kursgewinne bzw. Kurverluste, sondern auch Dividendenzahlungen und andere Ausschüttungen mit in die Entwicklung einberechnet.

Nun stellst du dir mit Sicherheit die Frage: Welcher Index-Typ ist der besser?

Meiner Meinung nach ganz klar der Performanceindex!

Stell dir doch einfach mal folgendes Szenario vor (das zwar sehr unrealistisch ist, dennoch zur Verdeutlichung dienen soll): Der Kurs aller 30 Unternehmen die im DAX enthalten sind, verharrt für mehrere Jahre auf der Stelle. Ein Kursindex würde also um 0% steigen. Jahr für Jahr zahlen die Unternehmen jedoch zuverlässig Dividenden an ihre Aktionäre.

Der Performanceindex, der diese Dividendenzahlungen berücksichtigt, würde in einem solchen Fall steigen. Wie gesagt, nur ein plastisches Beispiel. In der Realität ist so ein Szenario mit Sicherheit nicht zu finden. Es zeigt jedoch, dass ein Performanceindex zwei Kurstreiber besitzt (Dividenden und Kursgewinne), der Kursindex hingegen nur einen (Kursgewinne).

Kritiker führen an dieser Stelle gerne an, dass der Aktienkurs eines Unternehmens am Tag nach der Dividendenzahlung um die Höhe der Dividenden bereinigt wird und der Kurs somit fällt. Schüttet ein Unternehmen, dessen Kurs bei 40 Euro liegt, beispielsweise 2 Euro Dividenden aus, werden diese am Tag nach der Dividendenzahlung vom Kurs abgezogen. Dieser liegt dann also bei 38 Euro.

Auf den ersten Blick ist man gerne gewillt, diese kritischen Stimmen sofort zuzustimmen.

Aber: Wenn du einen Blick auf die nachfolgende Grafik wirfst, kannst du den Gewinner von „Performanceindex vs. Kursindex“ leicht erkennen: der Performanceindex. Lass dich also von kritischen Stimmen nicht täuschen. Ein Performanceindex schneidet in der Regel besser ab als ein Kursindex – am Beispiel des DAX sogar deutlich besser.


Bleibt nur noch eine Frage zu klären: Wie findest du heraus, ob ein Börsenindex ein Kurs- oder ein Performanceindex ist? Hier bleibt die leider nichts Anderes übrig, als die Google-Suche zu bemühen, denn mithilfe des Titels eines Index lässt sich diese Frage nicht beantworten.

Achtung: Viele Börsenindizes liegen sowohl als Performance-, wie auch als Kursindex vor. Ein Beispiel hierfür ist der DAX (aus diesem Grund ist auch der Vergleich möglich, den ich dir in der vorangegangenen Grafik gezeigt habe). Eine übersichtliche Liste aller Indizes dieser Welt findest du hier!

Börsenindizes nach Ländern, Branchen und sonstigen Kriterien

Wir sind nun der Beantwortung der Frage „Was sind Indizes?“ ein gutes Stück nähergekommen. Es gibt jedoch noch eine Sache, die du auf jeden Fall über Börsenindizes wissen solltest: Börsenindizes existieren wirklich in Hülle und Fülle. Es existieren nicht nur die bereits angesprochenen Leitindizes (Beispiel DAX oder DOW JONES, etc.), sondern auch Indizes nach Branchen oder sonstige Kriterien.

Die wichtigsten Index-Arten möchte ich dir hier vorstellen...

Länder-Indizes

Ich denke, zu einem Länderindex muss ich nicht viel erklären, oder? Er bildet die Wertentwicklung eines Landes ab, indem er die wichtigsten börsennotierten Aktiengesellschaften beinhaltet, die in diesem Land ansässig sind.

Eine besondere Form eines Länderindex sind sogenannte Regionen-Indizes. Diese umfassen nicht nur ein spezielles Land, sondern vereinen mehrere Anlageregionen. Als Beispiel ist hier der STOXX 600 Europe zu nennen, der die 600 größten europäischen Werte beinhaltet. Willst du also wissen, wie die Börsenstimmung im europäischen Raum gerade ist, kann ein Blick auf den STOXX 600 Europe durchaus sinnvoll sein.

Branchen-Indizes

Auch verschiedene Branchen sind in Börsenindizes zusammengefasst.

Doch warum gibt es diese? Ganz einfach: Es existieren an der Börse sogenannte zyklische Unternehmen (Automobil, Technik, EDV, etc.) die extrem abhängig von der aktuellen Wirtschaftslage sind und sogenannte antizyklische Unternehmen (Gesundheit, Versorger, etc.) die Grundbedürfnisse der Menschheit versorgen.

Um schnell und einfach zu erkennen, ob sich eine Investition in ein zyklisches Unternehmen lohnt, kann ein Blick auf den zugehörigen Branchen-Index durchaus sinnvoll sein! Auf diese Weise lässt sich auch sofort erkennen, ob ein Unternehmen besser oder schlechter performt als der Branchendurchschnitt – denn den gibt schließlich ein Branchen-Index wieder.

Sonstige Indizes

Neben Länder- und Branchen-Indizes existieren auch wichtige Börsenindizes, die von privaten Finanzdienstleistern ins Leben gerufen werden. Die Bekanntesten sind folgende:

1. MSCI World Index

Geschaffen vom Finanzdienstleister Morgen Stanley Capital International umfasst dieser Index die 1.600 wichtigsten Unternehmen der Welt. Der MSCI World Index ist also ein hervorragendes Stimmungsbarometer für die globale Wirtschaft.

Insgesamt sind 23 verschiedene Länder in diesem Börsenindex vertreten. 22 Prozent der Unternehmen kommen aus Europa, ca. 4 Prozent aus Deutschland.

2. MSCI Emerging Markets

Ebenfalls von Morgen Stanley Capital International ins Leben gerufen, zeigt dieser Börsenindex, wie sich die Wirtschaft der sogenannten Schwellenländer entwickelt. Hierzu gehören vor allem Brasilien, Indien, Südafrika, Malaysia und Mexiko.

3. S&P 500

Wer ein Stimmungsbild des amerikanischen Aktienmarkts erhaschen möchte, kommt um den S&P 500 Börsenindex nicht herum, der durch die Rating-Agentur Standard & Poor’s im Jahr 1957 erschaffen wurde.

Der Name ist Programm: Im S&P 500 finden sich die 500 größten börsennotierten Unternehmen der USA. Dies entspricht 80% der Marktkapitalisierung des gesamten Landes.

Investieren in Börsenindizes?

Investieren, direkt in Börsenindizes? Ja, richtige gehört!

Börsenindizes dienen nicht nur als Indikator für die Stimmung und Marktlage eines Landes oder eine Branche, sondern können dir auch als Investmentgrundlage dienen. Es gibt verschiedene Anlageinstrumente, mit deren Hilfe du direkt in einen Börsenindex investieren kannst.

Neben sogenannten Indexzertifikaten erfreuen sich Exchange Traded Funds, kurz ETFs, einer immer größer werden Beliebtheit. Ein solcher ETF bildet einen Index 1:1 ab. Heißt: steigt der zugrundeliegende Index um 2%, steigt auch der ETF um 2%. Gleiches gilt selbstverständlich auch für Verluste.

Insbesondere für Aktien Einsteiger, die noch nicht über viel Anlagekapital verfügen, kann ein ETF ein tolles Mittel sein, um an der Börse einzusteigen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Wenn du in einen ETF investierst, beispielsweise in einen DAX-ETF, investierst du indirekt in die 30 größten deutschen börsennotierten Unternehmen, ohne dass du Einzelaktien erwerben musst.

Mit einem DAX-ETF umgehst du also nicht nur teure Gebühren, die beim Kauf und Verkauf von Aktien anfallen, sondern verteilst dein Kapital auch auf mehrere Schultern. Im Fachjargon spricht man hier von Diversifikation – die Verteilung des Kapitals auf mehrere Unternehmen, um das Risiko eines hohen Verlustes so gering wie möglich zu halten.

Das Tolle an ETFs ist: Du kannst in Form eines Sparplans schon ab 25 Euro pro Quartal investieren.

Nachdem du nun genau weist, was Indizes sind, findest du mit Sicherheit auch einen ETF, der genau zu dir passt...

Wie immer gilt: Fragen gerne in der Kommentarfunktion stellen!

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